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Blick in die Vergangenheit


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586 Antworten in diesem Thema

#41 Hawaii

Hawaii

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Geschrieben 25 März 2014 - 19:29

Rechtsfahren oder Linksfahren?

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten es die sportinteressierten Journalisten wirklich nicht leicht. Die bis dahin ausgeübten Sportarten (Pferdesport, Turnen e.t.c) wurden langsam verdrängt und verloren sukzessive somit nicht nur den Nachwuchs, sondern auch Zuseher und damit Sponsoren und Unterstützer. Auch die Politik verlor Einfluss und Macht über die neuen Vereine. Die neuen Sportarten bildeten für Politik und Zeitungen eine Art von Unübersichtlichkeit und manche Politiker mieden ab nun die Sportwelt wie der Teufel das Weihwasser. Denn nix war mehr mit Turnvater Jahn und mit militärischer Erziehung in den Sporthallen.

Diese Entwicklung führte im Steiermärkischen Landtag im Jahr 1903 zu einer intensiven Diskussion. Das wird aber hier im Thread eine eigene Geschichte werden.

In Folge der Veränderung der Sportwelt wurde in Zeitungen zwar einiges über die neuen Sportarten geschrieben, aber oftmals auf wichtige Details nicht eingegangen, da das Fachwissen fehlte (Eigentlich eine verblüffende Parallele zu Artikeln in heutigen Tageszeitungen).


Autorennen, Fußball und der Radsport boomten in Europa, in Österreich und in der Steiermark. Die Rad- und Motorsportler dieser Zeit kämpften aber nicht nur mit technischen Problemen, sondern vor allem mit der damaligen Fahrordnung. „Grundsätzlich galt die Bestimmung, dass die Fahrzeuge in der Richtung der Fahrt die linke Straßenseite zu benützen haben. Diese Vorschrift wird nun in Kärnten, Tirol, Vorarlberg, Dalmatien und dem Küstenlande gerade ins Gegenteil umgekehrt“, so ein Zeitungsartikel.
Nun fanden schon um 1906 große länderübergreifende Autorennen und -fahrbewerbe statt. Nachdem der oftmalige Wechsel der Fahrtrichtung nicht unbedingt förderlich war, sah sich der Internationale Kongress des Verbandes der Touringklubs veranlasst, an den Österreichischen Touringklub eine kleine freundliche Verwarnung diesbezüglich auszusprechen.

 

Auch die Radsportvereine pochten seit längerer Zeit auf eine einheitliche Regelung. Denn es kam nach Überquerung der Landesgrenzen immer wieder zu Begegnungen mit Fuhrwerken, bei denen oftmals sogar die Ärmel aufgekrempelt wurden.
Daher wurde an die k.k Statthaltereien auch von den Radsportlern immer wieder die Bitte um eine einheitliche Fahrtrichtung herangetragen.

 

Nur um ein wenig auf die radsportliche Dimension in der Steiermark einzugehen:

Mit Stichtag 31.7.1902 waren landesweit 1.084 Mitglieder in 72 Radsportvereinen organisiert, davon 754 in Graz. Auch der Grazer Athletiksport-Club - Mitglied beim Steirischen Radsportverband seit 1903 - stellte eine Mannschaft (Teamfarben: blau).

Weit über die steirischen Grenzen hinaus war zur damligen Zeit das GAC-Vorstandsmitglied Franz Seeger auch als Radrennfahrer bekannt. Im Jahr 1905 konnte Richard Baumgartner sogar die Landesmeisterschaft für den GAC holen, 1906 folgte ihm sein Klubkollege Egon Schmitz, der ja sein umfassendes Sporttalent erfolgreich auch in der 1. Mannschaft der Fußballsektion ebenso wie Franz Seeger bewies.
Aber die Anregungen zur Vereinheitlichung der Fahrordnung in Österreich interessierten die diversen k.k  Statthaltereien nicht wirklich. Man nahm höflich die Petitionen an und begab sich anschließend samt Petitionen in Deckung. 
Erst mit der Einführung der reichsdeutschen Straßenverkehrsordnung im Jahr 1938 wurde das Rechtsfahrgebot eingeführt.

> http://members.a1.ne...kzg/wago55.html

 

Vor allem die heute noch bestehende Firma Friebe (Sporgasse) sollte in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle beim Grazer Athletiksport-Club spielen.

Im nächsten Beitrag geht es um die schon erwähnte Sitzung des Steiermärkischen Landtages im Jahr 1903 und einer bemerkenswerten Rede zum steirischen Sport.

In dieser Woche folgt dann noch ein Beitrag zur "Airpower" in Graz. Aber nicht 2014, sondern lange davor!



#42 Hawaii

Hawaii

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Geschrieben 26 März 2014 - 18:04

Landtagsabgeordneter August Einspinner und "minderbemittelte Volksgenossen"

 

Im April 1903 wurde im Steiermärkischen Landtag eifrigst debattiert. Aus heutiger (sportbezogener) Sicht sticht ein Antrag des Grazer LAbg. August Einspinner ins Auge. Grundsätzlich ging es um die Neupositionierung der Landesturnanstalt in der Jahngasse.
So wies Einspinner in seinem Antrag explizit darauf hin, dass die vom Steiermärkischen Landtag im Jahr 1863 beschlossene und 1867 errichtete Landesturnhalle eine der ersten Stätten Österreichs sei, die der geregelten Pflege deutscher Turnerei gewidmet wurde. Einspinner wies in seiner Rede auch darauf hin, dass „eine gedeihliche geistige Erziehung nur dann voll zu erreichen ist, wenn sie mit einer planmäßigen körperlichen Erziehung Hand in Hand geht."

In weiterer Folge kam er auf das seiner Ansicht nach vorherrschende Hauptproblem zu sprechen. „Da es ganz außer Zweifel steht, dass die heute mannigfach betriebenen Jugendspiele, Sport und dergleichen, wohl empfehlenswert, dem deutschen Turnen aber nicht annähernd gleichzustellen sind.“


Etwas später folgte ein nicht uninteressanter Satz, nämlich:Es verdiene daher auch jene Körperschaften volle Beachtung und Unterstützung, welche in durchaus selbstloser Weise zum Wohle unseres Volkes und damit auch zum Wohle unseres Staates, die Pflege des Turnens auf ihre Fahnen geschrieben, wodurch sie auch vielen minderbemittelten Volksgenossen unterschiedlichsten Standes die Möglichkeit bieten, sich dem Turnen widmen zu können.“

 

Daher stellten Einspinner und Genossen am 16.4.1903 folgenden Antrag:
Der hohe Landtag wolle beschließen, es sei der Landesausschuss zu beauftragen und zu ermächtigen, eine Enquete aus turnverständigen Männern einzuberufen.
Zur Beschickung dieser Enquete seien vornehmlich Vertreter der beiden Richtungen in der deutschen Turnerei, das ist vom Deutschen Turnerbunde und von der deutschen Turnerschaft, außerdem aber erprobte Turnlehrer, die noch aktiv im turnerischen Leben wirken, einzuladen.
Der Landesauschuss habe auf Grund der Ergebnisse dieser Enquete dem hohen Landtage Bericht zu erstatten und zweckdienliche Anträge zur Reform des Turnbetriebes in der Landesturnhalle mit besonderer Berücksichtigung des Vereinsturnens zu unterbreiten
.“
Selbstverständlich wurde der Antrag angenommen!

 

Allerdings war die Situation für die traditionsbehafteten „Turner“ nicht gerade rosig. Die Jugend drängte zu den modernen Sportarten wie Radfahren, Fußball sowie zum bereits aufkommenden Motorsport.

Die Einspinnergasse in Graz erinnert an diesen Politiker.

http://de.wikipedia....gust_Einspinner

:



#43 Hawaii

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Geschrieben 02 April 2014 - 13:43

Wie wurden „damals“ eigentlich Fußballspiele beworben?

Zur Gründungszeit des Grazer Athletiksport-Clubs durch das sogenannte Affichieren (Plakatieren) bzw. Einschaltungen in Tageszeitungen. Vielleicht hängten manche Geschäfte auch Plakate in die Auslage, wie z.B. die Firma Friebe (Sporgasse).

Für den Grazer Athletiksport-Club war es ja nicht ganz unwichtig, dass der Vater des Vereinsmitbegründers Karl Markel „Inhaber einer concessionierten Plakatierungs- und Ankündigungs-Anstalt“ war. Da erfolgte das Affichieren sicherlich zu einem guten Preis.
Ebenso glücklich war der Umstand, dass schon in frühen Vereinsjahren ein Redakteur des Grazer Tagblattes dem Grazer Athletiksport-Club als Mitglied beitrat.
 



#44 Hawaii

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Geschrieben 03 April 2014 - 16:27

Lehrer gegen Schüler, das klassische Duell:

 

Am 19.6.1910 fand am Platz des Grazer Athletiksport-Klubs ein „Fußballwettspiel“ zwischen den Mannschaften der Lehrerbildungsanstalt und der Staatsoberrealschule statt.
Als großer Favorit gingen die Oberrealschüler ins Spiel, denn sie versenkten in diesem Jahr Rapid Graz mit 6:1 und Sturm Graz gleich mit 7:2.
Groß war das Erstaunen aber, als die zukünftigen Lehrer die jungen Wilden nach Belieben beherrschten und mit dem 6:2 Sieg auch in der Grazer Presse große Beachtung fanden.

 

1909/10 fand eine neue Sportart ihre ersten Anhänger in Graz. Die Grazer Polizei beendet aber die ersten "Gehversuche". Davon im nächsten Beitrag.



#45 Redneck

Redneck

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Geschrieben 08 April 2014 - 08:07

1983:

 

http://derstandard.a...Bundesliga-1983


ES GIBT NUR GAK !

#46 shorty

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Geschrieben 08 April 2014 - 08:38

16 Klubs... mein persönlich favorisierter Meisterschaftsmodus.


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#47 rossoblu

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Geschrieben 08 April 2014 - 11:11

Schon spannend, wieviele aus der Generation in den letzten Jahren im österreichischen Fußball mehr oder weniger erfolgreich mitgemischt haben. Von massenhaft Trainern und Managern, über Spielervermittler bis zu Kantineuren ist da alles dabei. Und wenn schon sonst nichts gegangen ist, hat man wenigstens einen aktuellen Kicker in die Welt gesetzt.



#48 Hawaii

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Geschrieben 10 April 2014 - 17:53

Die Grazer Presse meldete im August 1909 unter Berufung auf die Daily Mail:

Am 15.8.1909 hat erstmals ein Papst eine Automobilfahrt unternommen. Das Automobil fuhr im Vatikangarten mit einer Geschwindigkeit von 17 km/h. Papst Pius X. war ganz entzückt und erklärte, dass er sich in Zukunft öfter das Vergnügen einer Autofahrt machen werde.“

 

Im nächsten Beitrag geht es wieder um den Grazer Athletiksport-Club.

 



#49 Hawaii

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Geschrieben 15 April 2014 - 21:08

Traurige Statistiken aus den USA

Mitte November 1909 wurde in New York eine Statistik über die abgelaufene Football-Saison veröffentlicht. Den traurigen Rekord hält
sicher die Rubrik über Verletzungen.
Unglaubliche 19 Spieler verstarben aufgrund von Verletzungen, die sie beim „Spiel“ erlitten hatten. Von diesen waren sechs Studenten, zwölf Schüler und ein Profi.
Über 200 Spieler wurden schwer verletzt, davon 165 Studenten.

Umittelbar nach der Veröffentlichung dieser Zahlen unternahmen die Universitäten große Anstrengungen, um die „Rohheit“ aus dem Spiel zu
nehmen.
 

Der „New York Herald“ veröffentlichte 1906 eine Statistik, wonach die Gefahren durch das Automobil maßlos überschätzt werden.

Das Pferd, also der treue Freund des Menschen, hat danach achtmal soviel tödliche Unfälle verursacht als das Automobil. Also im Detail die Statistik für ganz Amerika der damaligen Zeit:
40% aller tödliche Unfälle entfielen auf das Pferd, 30% auf die Eisenbahn, 15% auf die Straßenbahn und 10% der Schifffahrt. Insgesamt nur 5% auf das Automobil

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#50 shorty

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Geschrieben 16 April 2014 - 04:50

Traurige Statistiken aus den USA

Mitte November 1909 wurde in New York eine Statistik über die abgelaufene Football-Saison veröffentlicht. Den traurigen Rekord hält
sicher die Rubrik über Verletzungen.
Unglaubliche 19 Spieler verstarben aufgrund von Verletzungen, die sie beim „Spiel“ erlitten hatten. Von diesen waren sechs Studenten, zwölf Schüler und ein Profi.
Über 200 Spieler wurden schwer verletzt, davon 165 Studenten.

Umittelbar nach der Veröffentlichung dieser Zahlen unternahmen die Universitäten große Anstrengungen, um die „Rohheit“ aus dem Spiel zu
nehmen.

 

Die Konsequenzen revolutionierten den American Football Sport: der "forward pass" wurde trotz teils massivem Widerstand der obersten Regelhüter nach und nach durchgesetzt und hat Jahrzehnte später Phänomene wie Johnny Unitas, Joe Montana, Tom Brady etc. erst möglich gemacht.

 

Was hat das aber mit dem Grazer Ak zu tun?


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#51 shorty

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Geschrieben 16 April 2014 - 14:52

Muss mich korrigieren.

Es gab im Jahr 1905 (!) 18 Tote und daraufhin wurde der Vorwärtspass 1906 das erste mal beim American Football legal.

Football wurde in Folge dieses Jahres nahezu überall verboten und fast ausgerottet. Die Idee des Vorwärtspass hauchte dem Sport neues Leben ein. Wenn auch nicht gleich gänzlich akzeptiert, vorallem von den Regelhütern.

 

so, genug vom Off-topic. Wollte mich nur korrigieren.


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#52 Hawaii

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Geschrieben 20 April 2014 - 19:42

Die Geburt und das Wachstum eines Grazer Sportvereines:

 

Die Grazer Presse gab Mitte November 1899 bekannt, dass „die Fußball spielenden Mitglieder des Akademisch-technischen Radfahrvereines in Graz infolge Meinungsverschiedenheiten rein studentischer Art aus dem genannten Vereine ausgetreten sind und sich dem Grazer Fußballverein angeschlossen haben.“
Am 22.11.1899 fand im damaligen Hotel Goldener Engel (heutiges Hotel Wiesler) eine Hauptversammlung des genannten Grazer Fußballvereines statt, bei der weichenstellende Satzungsänderungen vorgenommen wurden, um so eine Namensänderung in Akademischer Sportverein einleiten zu können.
Schon am 22.1.1900 wurde im Frühstückssaal des Hotels Zum goldenen Engel die 1. Jahres-Hauptversammlung abgehalten. In einer Aussendung wurden die Mitglieder ersucht, „zur selben pünktlich zu erscheinen".

 

Die überhaupt ersten offiziellen Übungen (erstes offizielle Training) fand am 14.2.1900 mit Beginn um 15:30 Uhr statt. Das war auch nur möglich, da der Akademisch-technische Radfahr-Verein in Graz seinen Sportplatz vorerst bis zum 1. April 1900 unentgeltlich zur Verfügung stellte.
Allerdings gab es genau darüber einige Wochen später eine kleine Diskussion. Denn der Grazer Sportverein „spendete“ für die unentgeltliche Nutzung exakt 200 Kronen, die von der Ortsgruppe des ATRV auch gerne angenommen wurden. Allerdings wurde das Dankesschreiben für die Spende in Worten abgefasst, von denen sich der Grazer Sportverein einigermaßen befremdet fühlte.


Am 18. März 1900 trug der Akademische Sportverein dann sein erstes offizielles Fußballspiel aus. Bei strömenden Regen siegte im Wiener Prater allerdings der Wiener Athletiksport-Club mit 6:1 (1:0). Den Ehrentreffer erzielte Blumauer.
Die Aufstellung der Grazer:
Leitgebel, Long, Köppel, Dr. Thurnwald, Steiner, Stopper, Franck, Jung, Ohm, Blumauer, Dr. Grubitsch.

 

Im März 1900 erfolgte die Namensänderung von Akademischer Sportverein auf Grazer Sportverein.
Anfang April 1900 gab der Grazer Sportverein eine Beschreibung seines kommenden Vereinsabzeichens bekannt: „…eine Flagge in den Farben: schwarz-weiß mit dem Panther..“.
Am 20. Juni 1900 wurden die ersten 50 Stück des Vereinsabzeichens in Form von Krawatten-Nadeln geliefert. Diese konnten dann beim Schriftwart des Vereines (Rudolf Lange, Grabenstraße 16) zum Stückpreis von 2 Kronen bezogen werden.
Aber die versilberten Nadeln verfärbten sich schon nach wenigen Tagen. Daher wurden die Mitglieder eingeladen, ihre Nadeln bis spätestens 2. Juli beim Verein abzugeben, damit sie nochmals versilbert werden konnten.

 

Am 4.4.1900 wurde der neu errichtete Fußballplatz (Innenraum der damaligen Trabrennbahn) mit einem Training eingeweiht. Für diesen Tag erging mittels Vereinsveröffentlichung „an sämtliche fußballspielende Mitglieder und Gäste die Aufforderung, heute recht zahlreich und pünktlich (halb 5 Uhr) am neuen Fußballplatz zu erscheinen.“

 

Am Ostermontag gastierte der Berliner Fußballclub „Frankfurt“ in Graz und bezog eine überraschende 4:1 Niederlage.
Großes Lob der Grazer Presse heimste dabei der Grazer Goalie Dr. von Arvay (Künstlername Dr. Tram) ein.
Die Leistungen des Dr. v. Arvay als Tormann waren unbestritten, aber ein weiterer und ganz wesentlicher Verdienst war die Gründung des Judenburger Fußballvereines.

 

Ein internes Wettspiel der I. Mannschaft des GSV gegen die II. Mannschaft brachte einen klaren 10:0 Sieg der I. Mannschaft. Allerdings kamen sogar Spieler der III. Mannschaft (Jugend) zum Einsatz.

 

Am 20. Mai trafen der Akademisch-technische Radfahr-Verein und der Grazer Sportverein aufeinander.Das Spiel endete mit einer bitteren 1:15 Niederlage des ATRV.

 

Am 27. Mai trat erstmals die II. Mannschaft zu einem offiziellen Spiel an. Als Gegner stand die Fußballriege des Deutschen Turnvereines beider Hochschulen auf der Matte. Die Spieler des GSV mühten sich zu einem 2:1 Sieg über die Fußballriege. Etwas ungewöhnlich für Grazer Verhältnisse war der Umstand, dass dabei Fotos gemacht wurden. Beim Grazer Photograph Sommerauer, Radetzkystraße 9, waren die Bilder dann für 1 Krone und 60 Heller pro Stück zu erwerben.

 

Der GSV führte im Mai/Juni eine Meisterschaft für Mittelschüler-Mannschaften durch. Der Wanderpreis in Form eines silbernen Schildes stellt immerhin einen Wert von 100 Kronen dar. Daneben wurden für die siegreiche Mannschaft auch 11 Sportmützen ausgelobt.
Das Finale fand Mitte Juni bei strömenden Regen und starken Windböen statt. Mit 6:1 siegte die Landesoberrealschule. Die zahlreich erschienen Zuschauer zeigten sich vom  Spiel begeistert. Der Wanderpreis sowie die Mützen wurden am 23.6.1900 im Rahmen eines gutbesuchten Festaktes überreicht.
Einige Tage später traf die Siegermannschaft im Rahmen eines Freundschaftsspieles auf eine aus Ober- und Untergymnasiasten zusammengestellte Mannschaft. Endstand 1:1.

 

Am 1. Juli 1900 ging es für die Fußballsektion in die Sommerpause. Nachdem sich der Verein prächtig entwickelte, reifte der Plan den Sportplatz mit einem „tadellosen Grasteppich“ zu versehen. So wurde der Platz für den Sportbertrieb gesperrt, vergrößert, gewalzt und der Rasen angelegt. Als Vorbild diente der damalige Platz des FC Chelsea, somit war auch die Größe klar: 110 x 73 Meter.

 

Fortsetzung folgt.

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#53 Hawaii

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Geschrieben 22 April 2014 - 18:02

Es geht weiterhin aufwärts mit dem Grazer Sportverein

 

Ende Juni 1900 gestattete die k.k. Polizei-Direction den Mitgliedern des Grazer Sportvereines das Tragen des offiziellen Vereinsabzeichens.
In den ersten Augusttagen war endlich die Vergrößerung und Planierung des Platzes fertig. Herr Marauschek, der Grazer Stadtgärtner übernahm diese Arbeiten persönlich.
Spielwart August Wagner beeilte sich danach auch mitzuteilen, dass ab nun jeden „Montag, Mittwoch und Freitag von 17:15 Uhr angefangenen Kickübungen etc. auf dem südlichen Fußballplatze des Vereins abgehalten werden.“

 

Am 4. Oktober 1900 wurde in den „Umkleideräumen des Vereines“ (beim Wiesenwirt, heute Conrad-von-Hötzendorf-Straße 83) „ein Kasten mit 32 Fächern, die durch Vorhängeschlösser abgesperrt werden können", aufgestellt. Es gab offensichtlich eine Beschwerde des Gastwirtes Johann Palfner, dass somit endlich sein „Local von überflüssigen Kisten u.s.w. gesäubert werden kann.“

 

Die Judenburger Mannschaft versuchte am 14. Oktober Revanche für die im August erlittene Niederlage zu nehmen.
Judenburg trat an mit:
Dr. Arvay (Captain); Kapfer, Bosisch, Dr. Rasp, Wutscher, Fredi; Mandl, Reischl, Novotny I, Flink, Novotny II
Die 2. Mannschaft des GSV wurde repräsentiert durch:
Withalm; Strohschneider, Stadler; Rudi (Captain), Bum II, Sky; Fritz, Slama, Paul, Schadek, Trojer
Schiedsrichter Blumauer pfiff um 15:30 das Match in der Grazer Fröhlichgasse an.
Aber es klappte nicht so richtig mit der Revanche, gleich mit 5:1 ging es schief.

 

Anlässlich des bevorstehenden Spieles der 1. Mannschaft am 21. Oktober gegen den Badener Sportclub wurden die Sitzplätze der 1. Reihe von 1-100 erstmals numeriert.
Die zahlreich erschienen Zuschauer brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen, denn gleich mit 12:3 wurden die Niederösterreicher in den neuen, aber holprigen Rasen gestampft. Zur Diskussion stand auch die schlechte Qualität des Balles.

 

Am 28. Oktober gastierte der GSV in Ofen-Pest (Budapest). Es setzte eine 1:3 Niederlage. Großes Zuschauerinteresse und schönes Wetter führte zu einem durchaus interessanten Spiel.
Gleich nach 9 Minuten bugsierte der ungarische Stürmer Manno den Ball mit der Hand ins „Thor“, was aber alle gesehen haben, nur der Unparteiische nicht, also 1:0. Nur 5 Minuten später erzielte der GSV den Ausgleich. Aber fast im Gegenstoß klingelte es wieder, 2:1 für die Ungarn. Kurz vor der Halbzeit erhöhte wiederum Manno zum 3:1. Nach der Pause fiel kein Tor mehr.
Schiedsrichter Pobuda Tivadar verhängte nicht weniger als 17 Freistöße für die Grazer.
Am Abend gab es zu Ehren der Grazer Gäste ein „reiches“ Bankett. Zwischen den Zeilen der Zeitungsberichte gelesen, dürfte die Sache dann sehr lange gedauert haben.


Der GSV war dann am 15. November in Wien beim Wiener Athletiksport-Club mit folgender Mannschaft zu Gast.
Arvay; Lange, Leitgebel; Schadeck, An der Lan (Captain), Strohschneider; Fidav, Manni, Sprint, Bum I, Trojer.  Allgemein war es gerade die Zeit, als die Spieler sich Künstlernamen zulegten.
Schiedsrichter: Fuchs (Wien).
Der GSV sorgte mit dem 3:3 für eine Riesensensation und Gesprächsstoff.

 

Die II. Mannschaft des GSV und die Grazer Fußballriege der Deutschen Turnerschaft trennten sich am 2. Dezember mit einem gerechten 2:2.
GSV: Kurt; Strohschneider, Back; Willy, Lange, Wolf; Trojer, Cilly, Fidav, Sky, Deu
Turnerschaft: Kosicik; Dr. Nelli, Dr. Stolz; Wirth, Potpeschnig I, Potpeschnig II,; Hesse, Sahr, Zucker, Iberer, Sehrig.

 

Als Jahresabschluss fand am 18. Dezember 1900 mit Beginn um 20 Uhr in der Stadttheater-Restauration die Weihnachtsfeier statt.

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#54 aufewigrot

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Geschrieben 25 April 2014 - 21:34

Danke Hawaii für die echt feinen Informationen von Damals, auch wenns weit off Topic ist. Man sieht, wie damals die Sportarten noch miteinander verflochten waren. Auch, wie wichtig daher die Rolle des GAK Stammvereins mit einer verbliebenen Tradition aus dieser Zeit in Wahrheit ist.
Als leidenschaftlicher (Möchtegern-) Schispringer (Bestweite gstandne 52m auf Alpinbrettln) wusste ich nicht, dass es am Plabutsch eine Schanze gab.
Zeitzeugen wird's kaum noch geben. Aber die Schneisn dort würd mich interessieren.. .gggg
 


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#55 Hawaii

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Geschrieben 29 April 2014 - 19:08

Aus aktuellen Gründen ein kleiner Blick auf den ESK (gegründet 1921):

 

Ein Verein mit einer faszinierenden Historie, denn um 1938 "überleben" zu können, nannte man sich auf Grazer Sportklub Rapid um
und fusionierte 1939 mit dem Grazer Postsportverein. Das erste gesellschaftliche Lebenszeichen des wieder autonomen ESK nach
dem Krieg war die Veranstaltung eines Tanzkurses im Winter 1945/46.
Immerhin nahmen 68 Damen und Herren daran teil.

Nachdem auch Wikipedia nicht immer perfekt ist, darf ich als Ergänzung anführen, dass der erste Obmann des ESK Herr Penzold war.

 

Der ESK verfügte in den Jahren zwischen 1937 und 1939 auch über eine spielstarke Damen-Handballmannschaft.

 

Im April 1995 hatte der ESK-Vorstand beschlossen, eine Kooperation mit dem GAK einzugehen, denn

1) drückte ein Schuldenberg von ca. 400.000 Schilling, und

2) um zu einem starken Nachwuchs zu kommen.

Übrigens spielte auch ein gewisser Akoto 1998/99 beim ESK/GAK

 

Als Anhang ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1922 vom Spiel gegen Rapid Graz.

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#56 aufewigrot

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Geschrieben 02 Mai 2014 - 15:57

Manchen vielleicht bekannt, auf jeden Fall auch kurios:
Heute auf der "Fährte" zu First Vienna Football Club 1894, die wiedermal Probleme mit der Lizenz haben, kam mir folgender Absatz unter.....
------
Der First Vienna FC 1894 spielte bisher 68 Saisonen in der höchsten österreichischen Spielklasse und war in der Auftaktsaison 1911/12 Gründungsmitglied der ersten offiziellen Meisterschaft. Die Döblinger erreichten in der Premierensaison den sechsten Endrang, stiegen am Ende des Spieljahres 1913/14 jedoch aus der damaligen Ersten Klasse ab. Dass es überhaupt zum Abstieg bzw. Ausstieg aus der Liga kam, hatten die Funktionäre der Vienna zu verantworten. Nachdem in den beiden vorangegangen Spieljahren ein Relegationsspiel zwischen dem letzten der 1. Klasse und dem Meister der 2. Klasse stattfand, brachten diese einen Antrag auf Abschaffung der Relegationsspiele und auf Einführung eines automatischen Auf- und Abstiegs ein. Als der Fußballverband diesem Antrag stattgab und die Vienna überraschend selbst auf dem Abstiegsplatz landete, legten die Funktionäre der Döblinger umgehende Protest gegen ihren eigenen (!) Antrag ein. Der Verband ließ sich auf diese Farce nicht ein und bestätigte den Abstieg der Blau-Gelben. Die Vienna zog sich daraufhin aus dem Verband zurück und gründete mit dem FUAN (Football-Union-of-Austrian Nations) einen Konkurrenzverband, der sich nach zwei Jahren wieder auflöste. 1916 kehrten die Döblinger in den ÖFV zurück und stiegen in der 2. Klasse wieder in das Meisterschaftsgeschehen ein.

Quelle: http://de.wikipedia....12.E2.80.931923


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#57 Hawaii

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Geschrieben 02 Mai 2014 - 19:14

Hier ein Zeitungsartikel zur Gründung des "Fußballverbandes". Und ganz so wie es in Wikipedia steht, war es nicht.
Es gab da noch andere Gründe, auch politische. Vielleicht schreibe ich hier einmal einen Beitrag über die Hintergründe.

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#58 aufewigrot

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Geschrieben 02 Mai 2014 - 22:21

Hawaii: Bringe uns Licht ins Dunkel.
Immerhin war da WW1. Da steckte außerhalb von Sport und Politik sicher viel mehr dahinter.


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#59 Hawaii

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Geschrieben 03 Mai 2014 - 10:12

Mein Beitrag - ebenso wie der Zeitungsausschnitt - bezieht sich auf das Jahr 1904. Schon damals gab es nicht nur seitens der Vienna Unstimmigkeiten mit dem ÖFB bzw. der Fußball-Union. Daher unterstelle ich dem zitierten Wikipediabericht eine Unschärfe, denn es gärte um 1904 schon kräftig. 1909/10 kam es dann zu einer kleinen Explosion, in den folgenden Jahren folgten noch einige Eruptionen.
Vielleicht wird mir auf der neuen Homepage des GAK 1902 ein wenig Platz dafür eingeräumt. Ist eine wirklich sehr interessante Geschichte. Es gibt auch einige Anknüpfungspunkte zu steirischen Fußballvereinen.

#60 Hawaii

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Geschrieben 04 Mai 2014 - 18:49

Dreck, Schweiß und der innere Schweinehund!

 

Am 14. August werden sich wieder Männlein und Weiblein beim Grazathlon über Reifenstapel, Strohballen und ähnliche Hindernisse begeben. Fast weltweit boomen seit einigen Jahren diese Bewerbe, wobei es Hindernisse gibt, die schon unglaublich erscheinen. Da erscheint Graz fast als Kindergeburtstag.

http://www.limesrun....n-fuer-limesrun

http://www.grazathlon.at/facts/

http://www.trophyrun...aveheartbattle/

 

Aber wo liegt eigentlich der Ursprung dieser Events, dieser "Quäl dich, du Sau"-Bewerbe?

 

Glaubt man einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1906, so war der Herzog von Chartres der Erfinder. Hier der Originaltext:

"Ein paarweises Hindernislaufen, das sportlich wohl nicht ganz ernst genommen werden darf, immerhin aber ein ein pikanter Spaß gewesen sein muß, veranstaltete kürzlich der Herzog von Chartres in Paris. An dem Wettbewerbe beteiligten sich 25 Damen und ebensoviele Herren.

Die Strecke betrug 2,25 Meilen und hatte 27 Hindernisse, wie Mauern, Hecken und Wassergräben. Die Paare hatten sich die Hände zu reichen und durften sie bei Strafe sofortiger Disqualifikation nicht loslassen. Das Rennen verlief sehr animiert und war reich an heiteren Zwischenfällen. Das siegreiche Paar hat die Aufgabe in 28 Minuten gelöst."

 

Als Anhang nicht ein Bild aus "Das Schweigen der Lämmer", sondern "Automobil-Schutzmasken für Damen" aus dem Jahr 1906

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